Selbstständigkeit

Endlich die eigene Chefin sein

1. Oktober 2015
Endlich die eigene Chefin sein

Diesen Gedanken wiederhole ich seit Wochen immer und immer wieder im Kopf. Doch so richtig real ist es erst seit heute – meinem ersten Arbeitstag.

Ich bin als Mediengestalterin ganz klassisch in einer Werbeagentur ins Berufsleben gestartet. Dort habe ich Grafiken und Feinlayouts für Webauftritte erstellt. Schnell habe ich gemerkt, dass ich mein Wissen und Aufgabenfeld erweitern möchte. So folgten eine Aufstiegsfortbildung zur Medienfachwirtin und verschiedenste berufliche Herausforderungen, bis ich zuletzt als Teamleiterin arbeitete. Ich hatte mein Ziel erreicht und verdiente gutes Geld. Und doch war ich unzufrieden, ja sogar unglücklich.

Als ich in diese Stelle einstieg war ich voller Ideen und Tatendrang. Doch schnell merkte ich, dass die Strukturen und die Menschen so eingefahren waren, dass vieles einfach beim Alten blieb. Ein Kampf gegen Windmühlen, den ich bald aufgab.

Bittere Pille

Viele Unternehmen locken mit spannenden Projekten, einem jungen Team, flachen Hierarchien und anderen tollen Gimmicks. Sie suchen die besten Arbeitskräfte, möglichst Allrounder, aber häufig sind „Mitdenker“ und „Ideengeber“ nicht wirklich gefragt. Solche Angestellten bringen viel zu viel Unruhe in die Firma. Am besten sollte man seine Arbeitszeiten an denen des Managements ausrichten, um jederzeit für Arbeitsanweisungen verfügbar zu sein und einfach zu funktionieren. Wie lange hält ein kreativer Kopf das durch? Gründe dafür findet man immer wieder, z. B. damit es im Lebenslauf toll aussieht, die Beförderung steht noch an oder einfach, weil keine andere Stelle in Aussicht ist. So siegt der Kopf, obwohl das Herz bzw. der Bauch schon längst etwas anderes sagt.

Mein Körper signalisierte, was mein Verstand noch nicht wahrhaben wollte.

So habe ich die Notbremse gezogen und meinen Job gekündigt, ohne einen neuen in Aussicht zu haben. Meine Gesundheit litt unter der anhaltend schlechten Situation und ich musste dringend etwas ändern.

Kreativpause zur Findung

In dieser Zeit dachte ich viel darüber nach, wo ich im Berufsleben hin möchte. Ich schrieb trotzdem Bewerbungen, weil man das ja so macht. Aber mit dem Herzen war ich nicht dabei, denn das wäre dem Wiedereinstieg ins Hamsterrad gleichgekommen. Wollte ich wirklich dahin zurück? Schon der Gedanke, bis zur Rente so funktionieren zu müssen, machte mich unendlich müde. Mit dem Gedanken, dass Arbeit doch Spaß machen und mich ausfüllen müsste, wuchs in mir eine Wunschvorstellung. Ich möchte frei, selbstbestimmt, kreativ und nah am Kunden arbeiten können. Einfach Ich sein; es soll keine „Arbeitsversion“ meiner selbst mehr geben. Also habe ich mich aufgemacht herauszufinden, wie ich diesen Wunsch am besten umsetzen könnte. Immer wieder drehten sich meine Gedanken um die Fragen:

  • Kann ich damit meinen Lebensunterhalt bestreiten?
  • Bin ich wirklich gut genug?
  • Ist es mir die Erfüllung meines Traumes wert, auf manche Annehmlichkeit zu verzichten?
  • Kann ich auf die Sicherheit eines festen Arbeitsplatzes und Einkommens verzichten?

Natürlich haben mich diese Gedanken anfangs blockiert und ich schrieb fleißig an meinen Bewerbungen weiter. Doch je länger ich mich damit befasst habe, desto lauter wurde die Stimme in mir, die nicht länger träumen wollte. Es soll kein Was-wäre-wenn geben, sondern ich will dafür arbeiten, dass mein Traum wahr wird. Wer nur darauf wartet, dass sich etwas ändert, wird enttäuscht werden. Das möchte ich nicht mehr.

Nimm dein Leben in die Hand!

Ich besuchte ein Gründerseminar, um Überblick über die organisatorischen Bereiche der Selbstständigkeit zu bekommen und darin fit zu werden. Das nahm mir einen Großteil meiner Unsicherheit, denn es ist eher das Unwissen, welches die Ängste schürt. Außerdem suchte ich mir erfolgreiche Vorbilder im Internet, die einen ähnlichen Weg gehen oder schon gegangen sind. Sie geben nicht nur Anregungen, sondern auch den Mut etwas auszuprobieren.

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Die ersten Schritte habe ich getan, ab heute arbeite ich als freiberufliche Webdesignerin. Es warten hoffentlich viele spannende Aufgaben und Herausforderungen auf mich. Und ich freu mich drauf!

Was hast du für Erfahrungen gemacht? Wie sieht dein Traumberuf aus und wie hast du ihn gefunden?

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1 Comment

  • Reply Jens Krauße 17. November 2015 at 12:55

    Hi Anne,

    Ich freue mich für dich, dass du den Mut gefunden hast, dir deine eigene Firma aufzubauen
    Ich habe leider den anderen Weg als Angestellter gewählt und für Selbständigkeit ist es inzwischen „etwas“ zu spät.

    Ich drücke dir für den neuen Abschnitt die Daumen und wünsche dir viel Erfolg und viele, viele nette Kunden mit dazugehörigen (großen) spannenden Aufträgen.

    LG Jens

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