Leben

Zeit für Gemütlichkeit und Glück

31. Oktober 2014
Illustration einer grünen Raupe, die auf einem Blatt sitzend frisst. Eine Trände ist auf ihrer Wange zu sehen.

Es war einmal eine kleine Raupe, die ständig Hunger hatte. Sie konnte fressen was und wieviel sie wollte – sie wurde davon einfach nicht satt, nur dicker und dicker. Als sie eines Tages ganz bekümmert an einem Blatt knabberte flog ein wunderschöner Schmetterling an ihr vorbei. Die kleine Raupe fühlte sich auf einmal ganz hässlich und eine dicke Träne rollte über ihre Wange. So wollte sie von niemandem mehr gesehen werden und so begann sie einen gemütlichen Kokon zu spinnen, in dem sie allein sein konnte.

In diesen kuschelte sie sich ein und dachte, dass nun alles gut werden würde. Doch der Schmetterling ließ ihr keine Ruhe und ihre Gedanken drehten sich unaufhörlich. Warum hatte sie nur so viel gefressen? Warum hatte sie sich beim Anblick des Schmetterlings so nichtig gefühlt? Hatte sie es denn nicht gut gehabt? Sie musste niemals Hunger leiden und hatte viele Raupenfreunde. Von ihnen würde niemand auf die Idee kommen sie wegen ihres Aussehens zu hänseln. Langsam dämmerte ihr, dass sie keinen Grund hatte sich schlecht zu fühlen. Sie würde sich aus ihrem Kokon schälen und zu ihren Freunden krabbeln. Ein gemeinsames Festessen wäre genau die Gelegenheit um ihnen von ihrem Irrglauben zu erzählen. Doch sie spürte eine schwere Müdigkeit in sich aufsteigen und beschloss sich eine Mütze voll Schlaf zu gönnen. Dieser würde ihr richtig gut tun, dachte sie und schlief ein.

Sie schlief tief und fest und fühlte sich beim Aufwachen erholt und federleicht, denn ihre Sorgen waren über Nacht wie weggeblasen. Also schälte sie sich beschwingt aus ihrem Kokon und traute ihren Augen nicht mehr! Ihr kleiner kräftiger Raupenkörper war verschwunden! Aus ihrem Rücken kamen die allerschönsten Flügel, die sie jemals gesehen hatte. Aus unserer kleinen Raupe war ein fröhlicher Schmetterling geworden, der sich nun auf die Suche nach seinen Freunden machte um diese Freude mit ihnen zu teilen.

Und die Moral von der Geschicht‘? Liebe dich, so wie du eben bist!

lockerflocke_schmetterlinge

Diese Geschichte ist entstanden, während ich mir Gedanken für die Aktion Short Stories zum Thema „Gemütlichkeit“ machte – und dabei etwas abgekommen bin. Als ich so über diese Gemütlichkeit nachgedacht und mich hineingefühlt habe wurde mir eines klar: nur wenn ich glücklich und ausgeglichen bin, kann dieses warme gemütliche Gefühl aufkommen. Dieses kommt nicht durch einen Duft, einen Gegenstand oder zu einer bestimmten Zeit. Es kommt aus uns selbst – hervorgerufen durch Erinnerungen, unterstützt durch Dinge die wir mögen und Menschen die wir lieben.

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2 Kommentare

  • Reply siebenkilopaket 4. November 2014 at 9:38

    Liebe Anne,

    das ist eine tolle Geschichte! Auch für das innere Glück gibt es einen richtigen Zeitpunkt, in dem dann alles im Einklang ist… Das hast du super schön geschrieben und es ist genau meine Meinung! Wahres Glück muss von innen kommen, dann ist es einem egal wo und mit wem und wie man ist, der Rest ergibt sich von selbst. Toll!

    Ganz liebe Grüße
    Daniela

    • Reply Anne 4. November 2014 at 13:59

      Hallo Daniela,

      Du hast es nochmal sehr schön auf den Punkt gebracht, danke! Ich freue mich, dass Dir meine kleine Geschichte gefällt *doll-freu*.

      Viele Grüße
      Anne

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